Im Jahr 1891 stiegen von der Albulabahn noch Dampfwolken in den Himmel. Die positiven Erfahrungen auf anderen Bahnstrecken sowie der Kohlemangel zur Zeit des Ersten Weltkrieges führten bis 1919 aber auch auf der Albulastrecke zum Wechsel von Dampf auf Strom – und damit auch zum Ausbau des Elektrizitätswerkes Thusis am Eingang zur Viamala.
In Sils, der Nachbargemeinde von Thusis, war damals schon das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich in Betrieb: Zwischen 1907 und 1910 hatten die Betreiber bereits den Albulafluss unterhalb Tiefencastel gestaut und das Wasser durch Stollen bis zur grossen Maschinenhalle in Sils geführt. Diese Maschinenhalle wurde nach Plänen des bekannten Zürcher Architekten Gustav Gull erbaut, gleich daneben kam eine Wohnsiedlung von Nicolaus Hartmann zu stehen. Somit hatte Sils gleich zwei wichtige Architekten angelockt: Gustav Gull, der etwa das Landesmuseum in Zürich erbaut hatte, und Nicolaus Hartmann jun., der aufgrund von Bauten wie dem grossen Verwaltungssitz der Rhätischen Bahn in Chur als einer der wichtigsten Vertreter des sogenannten Bündner Heimatstils gilt.
Die Stromgeschichte von Sils geht aber noch weiter: Die Zürcher etwa bauten bis 1986 zur besseren Nutzung der Albula die 61 Meter hohe Bogenstaumauer bei Solis, in der Schinschlucht ob Sils. Und mittlerweilen werden alle Bündner Anlagen des Elektrizitätswerks Zürich von Sils aus ferngesteuert. Auch vertreten sind in Sils die Kraftwerke Hinterrhein, die mittlerweilen die Wasserkraft des Hinterrheins nicht mehr am Fluss selbst im alten Werk bei Thusis nutzen, sondern nach Sils überleiten. Und so bilden heute die riesigen Anlagen bei Sils, betrieben von verschiedenen Gesellschaften, einen wichtigen Knotenpunkt im Schweizer Stromnetz. Über eine Turbine wird aber eigens für die Rhätische Bahn Strom produziert – und zwar nicht wie für das Landesnetz üblich mit 50 Hz, sondern einer Frequenz von 16 2/3 Hz. Die Rhätische Bahn hatte somit, anders als etwa die Schweizerischen Bundesbahnen, keine eigenen Kraftwerke bauen müssen. Die Verbindung von Wasserkraft und Schienensträngen ergab sich in Graubünden auch so schon früh.